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Sauerstoffkonzentrator
Richtlinien für die langfristige Sauerstoff-Heimtherapie bei Patienten
mit chronischer Ateminsuffizienz
Sauerstoff o2
Diese Richtlinien vom 20.09.1996 ersetzen die
Richtlinien für die kontinuierliche
O2-Heimbehandlung bei Patienten mit chronischer Ateminsuffizienz vom 22.6.1989
und die Ergänzung MobileSauerstoff-Heimbehandlung vom 12.8.1991.
A. Einleitung
Seit dem Erscheinen der ersten schweizerischen
Richtlinien im Jahre 1981 und
ihrer Revision 1989 liegen mittlerweile weitere Erfahrungen und neue Erkenntnisse
vor,
welche eine zeitgemässe Ueberarbeitung und Ergänzung erforderlich machen. Unter
anderem wurde die Diagnoseliste für die Indikationen erweitert, nachdem die
Sauerstoff-
therapie in der Schweiz heutzutage in über 1/3 der Fälle für andere Diagnosen
als für
die chronische obstruktive Lungenkrankheit verordnet wird. Ferner wurden
die im Jahre 1991 verfassten Richtlinien für die mobile Sauerstoff-Heimbehandlung
integriert und neu auch die Indikationen zur Flüssigsauerstofftherapie definiert.
B. Grundlagen
1. Die langzeitliche Sauerstoffheimtherapie
kann durchaus eine erfolgreiche und bewährte
Behandlungsform in der ambulanten Rehabilitation von Patienten mit chronischer
respiratorischer Insuffizienz sein. Insbesondere seitdem in zahlreichen
wissenschaftlichen
Untersuchungen die folgenden positiven Behandlungseffekte nachgewiesen werden
konnten:
- verbesserte physische und neuropsychische Leistungskapazität
- verbesserte Lebensqualität
- Verminderung der pulmonalen Hypertonie und Verhinderung des Rechtsherzversagens
- weniger Hospitalisationen und Exazerbationen
- Beseitigung der arteriellen Hypoxämie und damit des chronischen Sauerstoffmangels
- verlängerte Ueberlebenszeit
2. Am häufigsten findet sich die Indikation zur langzeitlichen Sauerstoffheimtherapie
bei Patienten mit chronischer respiratorischer Insuffizienz infolge einer
chronischen
obstruktiven Lungenkrankheit. Lediglich bei dieser Krankheitsgruppe ist bisher
statistisch
einwandfrei eine Lebensverlängerung durch die langfristige Sauerstoffheimtherapie
nachgewiesen. Grundsätzlich muss aber die Indikation auch bei anderen Ursachen
einer
respiratorischen Insuffizienz ernsthaft durch einen Lungen- oder Hausarzt erwogen
werden,
wo durch Sauerstoffzufuhr die Beseitigung einer chronischen Hypoxämie
möglich ist. Im besonderen kann dies die folgenden Krankheitsbilder betreffen:
- chronische interstitielle Lungenkrankheiten (Lungenfibrosen, Pneumokoniosen)
- Folgezustände nach ausgedehnter Lungentuberkulose (Fibrothorax, Pleuraschwarten)
- Mukoviszidose (zystische Fibrose) und Bronchiektasen
- diffuse Lungengefässerkrankungen
- zentrale Schlafapnoe (inkl. Cheyne Stoke's Atmung)
- Chronische Pneumopathie des Neugeborenen (inkl. neonatales RDS, bronchopulmonale
Dysplasie, sog. Beatmungslunge
3. Ein wesentliches Prinzip der langzeitlichen Sauerstoffheimtherapie beruht auf
der möglichst kontinuierlichen Verabreichung von Sauerstoff, um die arterielle
Hypoxämiewährend möglichst vieler Stunden täglich zu beseitigen
(Richtwert Pa02 >65mmHg / 8.7 kPa). Die beste Langzeitwirkung erzielt man daher
mit einer dauernden Sauerstoffzufuhr während 24 Stunden pro Tag;
mindestens jedoch
während 15 Stunden täglich. Jedenfalls kann bei kürzeren Behandlungszeiten (<
15 Std.)
keine lebensverlängernde Wirkung mehr nachgewiesen werden. Ausnahme: Indikationen
zur ausschliesslich nächtlichen Sauerstofftherapie.
C. Technik der Sauerstoffzufuhr
1. Sauerstoffquellen
1.1.
Der Sauerstoffkonzentrator ist die einfachste, billigste und
sicherste Sauerstoffquelle
und sollte prioritär überall dort eingesetzt werden, wo die Sauerstofftherapie
nur im
häuslichen Milieu verabfolgt wird. Qualität und gerätetechnische Voraussetzungen
der empfohlenen Konzentratoren werden von einer Arbeitsgruppe der SVTL jährlich
überprüft und aktualisiert. Die Funktionsweise wird regelmässig von den
kantonalen Ligen
überwacht, die Service-Leistungen erfolgen in der Regel
durch die kantonalen Ligen oder
durch uns, im Auftrag von Ihnen oder der kantonalen Ligen.
1.2.
Sauerstoffdruckflaschen (20 - 30 Liter) sind logistisch aufwendig, verursachen hohe
Kosten und sollten daher als häusliche Sauerstoffquelle für die langfristige
Sauerstoffheimtherapie nicht mehr verwendet werden.
Hingegen sind kleine portable
1-2 Liter-Flaschen geeignet für die mobile Sauerstofftherapie. In Kombination mit
einem
Sparventil wird der Sauerstoffverbrauch gesamthaft reduziert und der Aktionsradius
mit
der mobilen Einheit vergrössert. Je nach Dauer und Intensität der
extradomiziliären
Sauerstofftherapie benötigen diese Patienten zu Hause ein Depot von mehreren
Flaschen,
welche regelmässig nachgefüllt werden müssen.
Zusammen mit einem Sauerstoffkonzentrator ist dies ein
geeignetes und wirtschaftliches
System für Patienten mit kontinuierlicherSauerstofftherapie zu Hause wie auch
während
unregelmässigen und gelegentlichen extradomiziliären Aktivitäten.
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1.3.
Die Systeme mit Flüssigsauerstoff bestehen aus einem nachfüllbaren stationären
Reservoir-Tank, aus welchem die domiziliäre Sauerstofftherapie verabreicht wird,
ausserdem aus einer kleinen portablen Einheit für die mobile extradomiziliäre
Sauerstoff-
therapie, wobei die portable Einheit beliebig aus dem Reservoir-Tank nachgefüllt
werden
kann. Die Versorgung mit Flüssigsauerstoff ist ebenfalls kostspielig und sollte
sich
deshalb strikt auf die folgenden Indikationen beschränken:
- Bedarf nach einer regelmässigen bis täglichen und mehrstündigen mobilen
Sauerstoff-
therapie ausserhalb des häuslichen Milieus
- hoher Sauerstoffbedarf (> 4 Liter/min), welcher durch einen Konzentrator nicht
geleistet
werden kann
- andere Indikationen müssen als Sonderfälle ausführlich begründet und durch
den zuständigen Liga-Arzt einzeln beurteilt werden.
2. Sauerstoff-Applikation
2.1.
Die übliche Verbindung zwischen Sauerstoffquelle und Patienten sind heutzutage
doppellumige Sauerstoffbrillen, welche im Gegensatz zu anderen Nasensonden auch von
den Patienten mehrheitlich präferiert werden. Nachteile sind der Verlust von
Sauerstoff
nach aussen, ungenügende Zufuhr bei Mundatmung, Austrocknung
und Verletzung
der Schleimhaut bei höherem Flow (> 3 Liter/min.) und kosmetische Beeinträchtigung,
welche vor allem die mobile und extradomiziliäre Sauerstofftherapie behindert.
2.2.
Bei einer nach bisherigen Erfahrungen vertretbaren Komplikationsrate hat
der transtracheale Katheter (z.B. Scoop-System) gegenüber der
nasalen Sauerstoff-
applikation folgende Vorteile:
- verbesserte Effizienz und Sicherheit der Sauerstoffzufuhr (unabhängig von
Mundatmung)
- verminderter Sauerstoffverbrauch (ca. 50 %!)
- Keine Probleme und Komplikationen an der Nasenschleimhaut
- verbesserte Kosmetik und deshalb auch verbesserte Behandlungsdiziplin und Behand-
lungsdauer möglich (= verbesserte Therapie-Compliance)
- verminderte Totraumventilation (weniger Atemarbeit)
2.3.
Die transtracheale Sauerstoffzufuhr ist die Applikationsform der Wahl bei der mobilen
Sauerstofftherapie. Der Katheter sollte ausschliesslich in einem routinierten
Fachzentrum
eingelegt und von diesem auch periodisch und bedarfsweise kontrolliert werden.
D. Indikationen
1.
Patienten mit chronischer arterieller Ruhehypoxämie infolge einer chronischen
obstruktiven Lungenkrankheit im klinisch stabilisierten Zustand
und Pa02 < 55 mmHg / 7,3 kPa.
Eine gleichzeitige Hyperkapnie (PaC02 > 45 mmHg / 60.0 kPa) stellt
grundsätzlich keine
Kontraindikation für eine Sauerstoff-Heimtherapie dar, sofern das Risiko einer
symptomatischen sauerstoffinduzierten Atemdepression (Anstieg PaC02 > 10 mmHg
unter Sauerstoff) ausgeschlossen wurde.
2.
Patienten mit chronischer arterieller Ruhehypoxämie infolge anderer Erkrankungen
der Atmungsorgane im klinisch stabilisierten Zustand und Pa02 < 55 mmHg / 7,3
kPa
Diese Indikation gilt für alle diejenigen Krankheitsbilder (vergleiche Grundlagen),
bei welchen nach den heutigen Kenntnissen ebenfalls ein Benefit
durch eine langfristige
Sauerstoffheimtherapie zu erwarten ist.
3.
Patienten mit sekundärer Polyglobulie, (Hb > 18 oder Hämatokrit > 55) und/oder
Zeichen
des chronischen Corpulmonale und Verdacht auf situative Hypoxämien
mit Pa02 > 55 mmHg / 7,3 kPa
Voraussetzung für diese Indikation sind jedoch umfassende Untersuchungen, um
die pathogenetischen Ursachen dieser Symptome abzuklären und zu belegen:
z.B. nächtliche Pulsoxymetrie / Polysomnographie (Ausschluss des Schlafapnoe-
Syndroms), Belastungstest / Ergospirometrie (Nachweis von Belastungshypoxämien).
4.
Die kurzfristige oder bedarfsweise Sauerstoff-Heimtherapie (z.B. als palliative Massnahme
bei terminalen Erkrankungen) gehört nicht in diese Indikationenliste.
E. Verschreibungspraxis
1. Voraussetzungen
1.1.
Stabilisierter Zustand der Grundkrankheit; d.h. die medikamentösen und physikalischen
Behandlungsmöglichkeiten von Begleitkrankheiten sowie zur Behebung
vorübergehender
Komplikationen sollten optimal ausgeschöpft sein.
1.2.
Optimierte Compliance und Akzeptanz des Patienten mit Nikotinabstinenz, Bereitschaft
zur vorschriftsgemässen Durchführung der Therapie einschliesslich der täglichen
Anwendungsdauer und der erforderlichen periodischen Verlaufskontrollen.
1.3.
Medizinische Standortbestimmung mit folgenden obligaten Basisuntersuchungen:
- Thoraxröntgenbild
- Haemoglobin oder Haematokrit
- Lungenfunktionsprüfung mit Bestimmung von mindestens Vitalkapazität (VK) und
Erstsekundenvolumen (FEV 1)
- arterielle Blutgasanalysen in Ruhe bei Zimmerluft und während 30 Minuten Sauerstoff-
therapie um die minimal erforderliche Sauerstoffdosis für das Erreichen der
Normoxie
(Richtwert > 65 mmHg/8,7 kPa) zu ermitteln.
- Cave: Bei Patienten mit Hyperkapnie (pC02 > 45 mmHg) ist eine zusätzliche arterielle
Blutgasanalyse nach mehreren Stunden Sauerstofftherapie
empfehlenswert um eine
sauerstoffinduzierte progressive Atemdepression rechtzeitig zu erkennen.
1.4.
Bei mobiler Sauerstofftherapie sind die folgenden zusätzlichen Untersuchungen
erforderlich: arterielle Blutgasanalyse oder perkutane Oxyxmetrie (Pulsoxymetrie
unter
angemessener körperlicher Belastung bei Zimmerluft und Titration mit der minimal
erforderlichen Sauerstoffdosis für Normoxie (p02 > 65 mmHg/8,7 kPa, Sa02 >
90 %).
1.5.
Bei ausschliesslich/vorwiegend nächtlichen Hypoxämien Polysomnographie oder
respiratorische Polygraphie zum Ausschluss eines Schlafapnoe-Syndroms nächtliche
Pulsoxymetrie zur Titration der erforderlichen Sauerstoffdosis um eine anhaltende
Normoxie während des Schlafs zu erreichen (Sa02 > 90 %).
1.6.
Dokumentation der Patientendaten und Untersuchungsergebnisse auf einem speziellen
Verordnungsformular (erhältlich bei der zuständigen kantonalen Lungenliga) als
Antrag
zur langfristigen Sauerstoffheimtherapie, an die
kantonale Lungenliga gerichtet, wo
der Antrag vom zuständigen Liga-Arzt auf die korrekte Indikationsstellung hin
überprüft
wird. Bei zustimmendem Entscheid wird die Lungenliga in
Zusammenarbeit mit Fach-
zentrum, Hausarzt und Patient die
Sauerstoffheimtherapie einrichten.
F. Betreuung und Ueberwachung der Patienten
1.
Die medizinische Betreuung und Ueberwachung erfolgt in der Regel durch den Hausarzt
anhand von anfänglich engmaschigen und später mindestens monatlichen Kontrollen.
2.
Die periodische Ueberprüfung der Indikation, des Therapieeffektes und der Therapieform
ist Aufgabe eines pneumologischen Fachzentrums (Fachklinik, Ambulatorium,
Facharzt).
Die erste Kontrolle sollte nach 3 Monaten und die weiteren Kontrollen nach jeweils
6 bis
12 Monaten erfolgen mit folgendem minimalem Untersuchungsprogramm):
- arterielle Blutgasanalyse bei Zimmerluft und unter der verordneten Sauerstoffdosis
- Lungenfunktionsprüfung mit Bestimmung von mindestens Vitalkapazität (VC) und
- Erstekundenvolumen (FEV 1) Haemoglobin oder Haematokrit
bei mobiler Sauerstofftherapie zusätzlich; perkutane Oxymetrie
unter angemessener
Belastung bei Zimmerluft und mit der verordneten Sauerstoffdosis bei
ausschliesslich
nächtlicher Sauerstofftherapie zusätzlich; nächtliche Pulsoxymetrie unter der
verordneten
Sauerstoffdosis.
Die Ergebnisse der periodischen Kontrolluntersuchungen werden an den Liga-Arzt
übermittelt im Sinne einer Qualitätssicherung dieser aufwendigen Therapieform und
als Bestandteil der Vereinbarungen mit den Kostenträgern (Krankenversicherung).
Anhand der Kontrolluntersuchungen soll die Indikation jeweils überprüft werden.
Entfällt
die Indikation sowie bei schlechter Compliance muss die Rückgabe des Gerätes
erwogen
werden.
3.
Wartung und Funktionsweise der Geräte werden durch das Personal der kantonalen Liga
mittels Hausbesuchen in der Regel unmittelbar nach Beginn der
Sauerstoffheimtherapie,
nach 3 Monaten und danach bedarfsweise, jedoch mind. alle 6 Monate überprüft.
4.
Die kantonalen Ligen sind verantwortlich für die Organisation und Einhaltung
der periodischen Verlaufskontrollen.
G. Allgemeines
Sauerstoff, Wasser
und Licht sind Voraussetzungen für Leben. Ein Mensch kann
wochenlang ohne Nahrung, tagelang ohne Wasser, aber nur wenige Minuten
ohne
Sauerstoff auskommen! Diese lebensnotwendige Substanz ist als Naturelement zu 21 %
in der Umgebungsluft enthalten. Sauerstoff bedeutet Energie, die unser Organismus
mit Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelementen
besser umsetzt, wenn
auch genügend Sauerstoff vorhanden ist. Durch die erhöhte Sauerstoffzunahme
verstärkt
sich also auch Ihre gesamte Energie. Mit zunehmenden Alter
verringert sich
der Sauerstoffgehalt in unseren Körperzellen, weil auch die Leistungsfähigkeit
von Lunge
und Herz abnimmt. Dies geschieht um so früher, je mehr wir uns ohne Schutz den
vielfältigen Belastungen unserer Umwelt aussetzen. Daher können Stress, Umwelt-
schadstoffe, Übergewicht und Bewegungsmangel auch bei jüngeren Menschen
den Sauerstoffstatus negativ beeinflussen. Die Einnahme und Wirkung einer
Sauerstoffkur ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, denn wir wollen
uns ja alle
gesund und munter fühlen. Die konzentrierte Einnahme von Sauerstoff fördert das
körperliche und geistige Wohlbefinden, Vitalität und Leistung werden gesteigert.
Der Stärkung des Immunsystems, sowie der allgemeinen Gesundheitsvorsorge kann auf
eine natürliche Methode merkbar nachgeholfen werden. Die Wissenschaft hat schon
lange entdeckt und bewiesen, dass ein Zellenabbau durch Sauerstoffkuren
wirkungsvoll
gebremst werden kann.
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